Fußball aktiv: Mit Anstand in die Kreisliga B

Fußballer der DJK Aalen sehnen das Rundenende herbei – Neubeginn mit neuer Führung

Von Ansgar König (Quelle: Aalener Nachrichten, 11.04.15)

Aalen – Es ist wahrlich kein Grund zum Feiern: Beim 0:2 gegen Lippach am Ostermontag haben die Fußballer der DJK Aalen in der Kreisliga A II ihr 100. Gegentor (von 657 Treffern in der gesamten Liga) kassiert. Die Verantwortlichen und wohl auch die Mannschaft sehnen das Saisonende herbei. Mit dem Abstieg in die Kreisliga B hat sich das Schlusslicht abgefunden. Dann soll, da sind sich Abteilungsleiter Walter Herdeg, Spielleiter Walter Leipert und Ralf Maihöfer, einer der fünf Vorsitzenden der DJK, einig, ein Neubeginn her.

Walter Herdeg, Ralf Maihöfer, Walter Leipert
Stehen für den Neubeginn: Walter Herdeg, Ralf Maihöfer, Walter Leipert (von links)

Einiges schiefgelaufen

Bei der DJK ist in den vergangenen Jahren einiges schiefgelaufen. Den Traditionsverein im Aalener Hirschbach plagen Probleme, wie sie viele andere Klubs auch haben. Der Fußball in den unteren Klassen hat nicht mehr den Zuspruch, den er mal hatte, vor allem im Nachwuchsbereich. Hinzu kam falscher oder zumindest falsch verstandener Ehrgeiz. Deshalb machen die DJKler jetzt einen Schnitt. Erste Maßnahme: Für Spieler wird kein Geld ausgegeben. So verabschiedeten sich zur Winterpause gleich fünf Spieler. Zudem musste der Trainer gesundheitsbedingt aufgeben, der Torhüter brach sich den Fuß. Sportlich läuft’s nicht mehr. Den letzten Sieg (3:2 in Schloßberg) feierte die DJK Anfang November, das letzte Tor beim 1:9 in Dorfmerkingen Ende November. Seither gab’s nur noch Niederlagen, 32 Gegentore in fünf Spielen, darunter ein 0:12 in Stödtlen. „Wir wollen uns trotzdem mit Anstand aus der Liga verabschieden“, verspricht Spielleiter Walter Leipert. Denn mit dem Neustart soll auch eine neue Philosophie Einzug halten. Die DJK kümmert sich um die Schiedsrichter – Leipert pfeift selbst seit 25 Jahren –, will sich nach außen gut präsentieren. „Das ist bei diesen Ergebnissen schwer genug“, nimmt Maihöfer das Team in Schutz. „Jeder zieht mit, jeder macht seinen Job so gut er kann“, sagt Abteilungsleiter Herdeg.

Und so soll es auch nach der Sommerpause weitergehen. „Wir brauchen wieder Spieler, die sich mit dem Verein identifizieren“, sagt Leipert, „eine Elf-Freunde-Mentalität. Die Mischung muss stimmen. Anders schafft es ein Verein wie die DJK nicht. Wir wollen was Neues aufbauen.“ Dass es die DJK wenigstens durch die aktuelle Saison schafft, dafür waren viele Telefonate notwendig: Die Reserve wurde abgemeldet, alte Kempen wieder reaktiviert, Jugendspieler, die schon aufgehört hatten, abtelefoniert. Ein Presseverantwortlicher musste her, ein Zeugwart. Viel Organisatorisches war liegen geblieben.

Der erste Schritt ist gemacht. Mit Dag Vedat wurde ein neuer, unverbrauchter Trainer engagiert. Gut 20 Spieler haben dem Verein die Stange gehalten, der Trainingsbesuch hat sich trotz zahlreicher Studenten im Team bei Mannschaftsstärke eingependelt. „Das Gerüst steht, jetzt müssen wir irgendwie über die Runde kommen“, das sind sich die drei einig, „der Neuaufbau ist ein langer Weg.“ Gleichzeitig arbeitet die Abteilungsleitung am Unterbau. In der kommenden Runde soll, nach einem Jahr als SG mit dem SSV, wieder eine eigene B-Jugend gemeldet werden. „Aber“, so Walter Herdeg, „es fehlt wie bei anderen Vereinen auch an Jugendtrainern.“ Denn bei der B-Jugend, da brauche man schon jemanden mit pädagogischem Geschick. Auch im aktiven Bereich denkt die DJK – wohl auch mit Blick auf die neue Fußballunion in Wasseralfingen – an eine Spielgemeinschaft, zumindest perspektivisch.

„So etwas kann ja auch wachsen“, schließt Spielleiter Walter Leipert die Gesprächsrunde, „schließlich sprechen ja auch die Spieler anderer Vereine miteinander.“ Vielleicht ist ja dem einen oder anderen die neue Philosophie der DJK Aalen mit den Eckpfeilern „Spaß“ und „Mannschaftsgeist“ durchaus sympathisch. Einfacher wird’s nicht für die Kicker aus dem Hirschbach. Nach dem Auswärtsspiel in Röhlingen am Sonntag kommt am 19. April Tabellenführer Wört in den Aalener Osten. Bei 100 Gegentoren wird’s dann nicht bleiben.